Gesichtserkennung, Orten von Freunden, Schattenprofile – Vielen Benutzern von sozialen Netzwerken geht das zu weit. Während sich leider zahlreiche Mitglieder nicht weiter beunruhigen lassen und fleißig weiter Informationen preisgeben, gibt es immer mehr „Aussteiger“. Benutzer die ihre Inhalte mit Freunden und Bekannten Teilen wollen, nicht aber mit unberechenbaren Datenkraken.
Auf den ersten Blick ist Diaspora nichts Außergewöhnliches, nur ein weiteres soziales Netzwerk. Doch wirft man einen Blick hinter die Kulissen erkennt dass Diaspora die Revolution der sozialen Netzwerke darstellen könnte.
Diaspora ist griechisch und bedeutet Verstreutheit. Der Ausdruck bezeichnet Personengruppen die Ihre Heimat verlassen haben und jetzt unter Gleichgesinnten bzw. Andersdenkenden leben, überall auf der Welt verstreut sind oder einfach nur eine Minderheit darstellen. Selbiges trifft, zumindest in nächster zeit, wohl auch auf die Benutzer von Diaspora zu.
Die Vorteile von Diaspora
Ein konventionelles social network lebt davon Daten zu sammeln und durch diese z.B. individuelle Werbung zu schalten. Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre werden wissentlich in unübersichtlichen Menüs versteckt. Jedes mal wenn ein Benutzer den Haken bei „privat“ setzt verliert das Unternehmen Geld. Diaspora wird über Spenden finanziert und zeigte bisher kein Interesse an den Daten der User.
Der gravierende Unterschied liegt in der Architektur dieses Systems. Diaspora ist ein freies, dezentralisiertes Netzwerk. Die Daten liegen also, systembedingt, nicht mehr auf den Servern der Anbieter sondern entweder auf dem eigenen PC der als Server (pod) verwendet wird . Oder auf einem öffentlichem Server (Samen engl. seed) Ihrer Wahl. Der Nutzer bleibt somit Urheber seiner Daten und verfügt über ein gewisses Maß an Kontrolle was mit seinen Daten passiert und wie diese sich ausbreiten. Bilder und Texte von Diaspora-Usern sind nicht der Sammelwut eines gewinnorientierten Unternehmens ausgesetzt.
Die intuitive kommunikation bzw. der Austausch von Daten erfolgt über das freie Kryptographiesystem „Gnu Privacy Guard (GPG)“. Darüber hinaus ist Diaspora “open source”, jeder kann den Quellcode einsehen und sich an der Entwicklung beteiligen.
Die Registrierung bei Diaspora
Die Registrierung und die Anwendung eines social Networks wird für den Anwender so einfach und bequem wie möglich realisiert. Kurz den Namen, die Email-Adresse und ein paar persönliche Daten eingeben und schon ist man Mitglied. Obwohl die Entwickler die Benutzung des neuen Netzwerks so simpel wie möglich gestalten möchten, fällt es weniger erfahrenen Benutzern leider sehr schwer sich mit diesem komplexen System auseinanderzusetzen. Bisher sind in diesem Netzwerk eher computerversierte Personen anzutreffen.
Diaspora entwickelt sich weiter
Die Benutzeroberfläche wirkt minimalistisch und transparent. Werbung sucht man hier vergebens. Einfachheit und Klarheit sind ein Grundsatz des Diaspora Teams. Dennoch bringt das Netzwerk bereits einiges mit. Hastags, Integration anderer Netzwerke und eine Schnittstelle für Plugins. Letztere sollen auch Spiele oder Charts implementieren können. Diaspora entwickelt sich weiter. Wie schnell und in welchem Ausmaß ist davon abhängig wie viele das neue Netzwerk wirklich nutzen.

Diaspora bleibt wohl ein “Nischen-Netzwerk”. Ich kann mir kaum vorstellen das alle Facebook-Nutzer zu diesem Netzwerk abwandern. Ich glaube aber nicht dass Diaspora dieses Ziel verfolgt. Der Ansatz ist gut, nur fehlt es den Entwicklern einfach an Ressourcen um sich mit den großen (Facebook, Google) anzulegen. Aber wenn es auch nur ein Soziales Netzwerk für einen kleinen Kreis von technisch versierten Usern ist, und nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt ist, hat es dennoch seine Daseinsberechtigung.